die kleine Oranienburger LG

 

die suche nach dem Schloss….

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Wir als unerschrockene Erforscher der örtlichen Laufstrecken, immer unterwegs  im Dienste der Laufgemeinschaft,  hatten von einem Schloss gehört, irgendwo zwischen Summt, Mühlenbeck und Basdorf, inmitten des Grüngebietes, dazu einige Seen  und uns vorgenommen, joggend das Gebiet zu erkunden und das Schloss zu finden.

Als wir davon hörten war unsere Neugierde geweckt…. Es liegt irgendwo inmitten 3er Seen( Summter See/ Mühlenbecker See und der Schlosssee), aber den Weg dahin…..keiner kannte ihn wirklich.

Irgendwo in den Wäldern um Summt/Mühlenbeck/Basdorf soll es stehen….das barocke Schlösschen, mit einer wechselvollen Geschichte.  Napoleon, die Nazis und einige DDR Oberen waren schon Bewohner dieses Hauses…. Und der Mann einer lieben Freundin hatte in diesem Schloss schon Kaffee getrunken…… Das Schloss soll wohl langsam verfallen…. Aber unsere Neugierde war geweckt….

Selbst für die Einheimischen in diesem Bereich nördlich Berlins scheint das Schloss ein Phantom.  Die Einheimischen Sumter Bürger, die ich nach dem Weg frage, raunen nur, da sei doch nur noch eine Ruine, das lohne nicht den Weg und schon gar nicht einen Besuch, andere zucken nur mit den Achseln und werfen dunkle Blicke in Richtung des finsteren Forstes. Fehlt nur noch ein alter Mann mit Schlapphut, der leise krächzt und mit erhobenen Finger warnend sagt: Dahin sind schon viele gegangen, aber keiner kehrte je zurück..

Eine Grillhütte, kurz hinter dem Parkplatz hatte schon offen. Die Drei Menschen, allesamt in abgewetzten Jeans und Holzfällerhemden gehüllt, mit viel dichtem Bartwuchs und zu Schlitzen zusammengekniffenen Augen starten uns an….

All meinen Mut fassend fragte ich Sind Sie von hier? Statt eines beredten Schweigens der Marke >Fremde mögen wir hier nicht, Fremder<  kam ein einfaches Nein, sind wir nicht…

Forsch setzte ich nach: Dann wissen Sie sicher nicht, wie wir das Schloss Dammsmühle und den Mühlenbecker See finden? Die eigentlich völlig Ortsfremden ergingen sich nun in einer minutenlangen Schilderung der verschiedenen möglichen Pfade zu Seeufer, Schloss, Mooren, Wildrevieren und anderen wichtigen Orten. Auch von braunen Hinweisschildern und gelben Punkten war die Rede….  Damit war dann allerdings die Konversation auch schon erschöpft.

Wir zogen uns vorsichtig auf den Radweg, der allerdings, wie so viele Radwege in OHV, im nirgendwo endet, zurück liefen an meines Sohnes Traumhaus vorbei, hielten uns rechts und  gelangten ohne Hinterhalt zum Summter See. Von hier führt ein Weg, erst mal vorbei an einer Investruine und dann in den Wald und schließlich auf wunderbar morastigen Wegen hinab zu den Seen.

Ganz zufällig bemerkten wir auch kleine braune Wegweiser und liebevoll in und an Bäumen versteckte Gelbe Punkte  die wohl zu Schloss und See führen sollten.

Wir liefen einen recht ruhigen Schnitt und bemerkten wie schön der alte Wald im nun anbrechenden Frühling eigentlich ist. Hohe Baumriesen, dicke Stämme, hauptsächlich Buchen, und hellstes Grün, leuchtend in der Sonne, viele kleine Sonnenflecken leuchteten auf dem braunen Waldboden….. es war einfach schön.

Einige Kilometer folgten wir brav, im moderaten Tempo,  einer wohl ehemaligen Wanderpiste durch den Urwald, bevor ein See uns stoppte. Hier saßen dann auch tatsächlich zwei ältere Männer am See auf einem Baumstamm und taten nichts, was man äußerlich als Aktivität hätte vermerken können. … Äußerlich harmlos kamen mir sofort horrorhafte Filmszenen aus einschlägigen US-Filmen in den Sinn, wo derartige Waldschrate eine gut gehende Schwarzbrennerei irgendwo im amerikanischen Busch bewachen und zufällige Eindringlinge, also solche wie uns,  unauffällig im Sumpf verschwinden lassen.

Aber die beiden saßen einfach nur still da und schauten auf’s Wasser…… aber keine Sorge, nicht den zu erwartenden Wassergeist galt ihrem Interesse, nein sie angelten einfach nur.

Und dann sahen wir es – Schloss Dammsmühle – es stand still und verlassen am anderen Ufer und ja…..es sah wirklich aus wie ein Märchenschloss. Wir machten weitere Fotos und liefen dann um den See…. Vorbei an einigen grauen Betonruinen die ebenso vom Zahn der Zeit zernagt werden wie das dahinter plötzlich wieder auftauchende hübsche Barockschloss.  Kleine Türmchen, schmucke Balkone, tatsächlich war da auch eine alte verfallene Orangerie mit Pavillon und  all das vermodert im tiefen Wald, die Fenster vernagelt, die Terrassen überwachsen….. beim Anblick versteht man die Welt nicht mehr. Hier in dieser bunten Republik wird jede Scheune unter Denkmalschutz gestellt, jeder zweite Baum der schon ein paar Jahre im Gelände steht darf nicht gefällt werden und hier mitten im Wald vergammelt ein wunderschönes Schloss welches sich einer sehr abwechslungsreichen Vergangenheit rühmen kann.

Trotz des Verfalls versprüht der Ort einen morbiden Charme und nichts Neuzeitliches scheint die Lieblichkeit der alten Architektur vollends zerstören zu können. Von der Schlossterrasse blickt man auf den alten Mühlenteich, ein friedliche Wasserfläche, dicht vom Wald eingerahmt. Vielleicht findet sich ja irgendwer und bereitet die Renovierung vor…und erweckt das Schloss zu neuen Leben.

Wir machten Fotos über Fotos….und spannen Gedanken ….. dann liefen wir weiter….

Auf kleinen Pfaden liefen wir Richtung Norden und gelangten so zum nahe gelegenen und größeren Mühlenbecker See. Auch er dicht vom Wald belagert, zugewuchert mit Schilf und anderem Grün, Wasservögel landen und starten unbeeinträchtigt auf den auch hier verlaufenden Pfaden und wenn überhaupt, so  scheint sich nur die Dorfjugend hier herum zu treiben, gelegentlich hörte man einen Motorroller knurren, ansonsten aber gehört das Gebiet tief in den Wäldern noch der Natur. Es machte Spaß hier zu laufen….jede Sperre,  jeden umgestürzten  Baum nutzten wir zum überspringen…..

Aber da jeder Lauf mal ein Ende hat kam das was auch bei diesen unweigerlich kommen musste…..trotz einiger Umwege fanden wir unseren Parkplatz wieder.

Ehrlich, es war ein schöner und auch etwas geschichtsträchtiger Lauf.

 

Natürlich verlangte diese morbide Begegnung nach einer genaueren Recherche: In Dammsmühle wurde erst im Jahr 1755 eine Wassermühle errichtet, die aber bald wegen finanzieller Schwierigkeiten den Besitzer wechseln musste. Das Schloss, zunächst ein zweigeschossige Palais, wurde 1768 von diesem Besitzer, Berliner Lederfabrikanten in Auftrag gegeben (Peter Damm). 1812 soll Napoleon hier Quartier genommen haben. Nach Damms Tod verfiel das Schloss, nachdem es mehrfach den Besitzer gewechselt hatte und Friedrich Wilhelm IV. den Kauf abgelehnt hatte. Erst am Ende des 19.Jahrhunderts wurde das Gebäude von einem Leutnant namens Wollank erworben, der es zum Herrensitz umbaute. Er fügte einen neobarocken Turm mit Zwiebeldach an.  So ab 1910 diente das Schloss als illustrer Treffpunkt für Wilhelm II. und Zar Nikolaus II: Im 20. Jahrhundert wechselte das Bauwerk mehrfach den Besitzer, wurde im dritten Reich enteignet und von Heinrich Himmler in Besitz genommen und nach Kriegsende vom Ministerium für Staatssicherheit und der russischen Armee genutzt.  Zuletzt wurde es wohl als Jagdschloss genutzt.   Nach der Wiedervereinigung betrieb man anscheinend kurzzeitig hier ein Hotel, das aber nicht bestehen konnte  das Bauwerk fiel den Erben der Vorkriegsbesitzer zu, die es aber wiederum weiter verkauften. Auch wurden hier, zwischen 1929 und 1991,  mehrere Filme gedreht.

 

mehr Bilder gibt es hier……